Was du tun kannst, um dein Nervensystem zu stärken

Ramona Wagener, Stress und NervensystemEs ist ja nichts Neues: Wir sind in der heutigen Zeit einem erheblichen Stresslevel und enormem Druck ausgesetzt. Wir alle wissen, dass Stress uns nicht gut tut. Yoga, Achtsamkeit und Meditation sind längst nicht mehr nur was für esoterische Aussenseiter, sondern voll im Mainstream angekommen. Und gleichzeitig sind so viele Menschen so erschöpft wie noch nie oder leiden unter den körperlichen und seelischen Folgen von Stress.

Unser Körper ist nicht in der Lage, zwischen verschiedenen Arten von Stressfaktoren zu unterscheiden. Daher erzeugen mentale oder emotionale Stressoren dieselbe Reaktion, wie das ein Säbelzahntiger, ein Löwe oder ein Bär tun würden. Wenn wir genau hinspüren würden, würden wir erkennen, dass der meiste Stress in unseren Köpfen stattfindet. Unser Nervensystem empfindet und reagiert darauf jedoch GENAUSO als wären wir einer echten Bedrohung ausgesetzt.

Weitere Stressfaktoren sind:

  • stark verarbeitete Nahrungsmittel
  • jede Menge Umweltgifte
  • Elektro-, Funk-, und Mobilfunkstrahlung
  • Dauerreichbarkeit, Reizüberflutung
  • Angst- und Panikmache durch die Medien (Die momentane Berichterstattung über Corona und die Folgen davon, wie Hamsterkäufe etc. sind ein Beispiel dafür.)

Dein Körper und Stress

Dauerhafter Stress hat Auswirkungen auf dein Nervensystem, deine Hormone und somit auf deinen gesamten Körper. Ich erlebe so gut wie keine Frau in meiner Praxis, die nicht unter den Folgen von Dauerstress und Anspannung leidet. So kommt es nicht selten vor, dass sich in anstrengenden Lebensphasen die Periode verschiebt oder ganz ausfällt. Auch Schmerzen während der Blutung sind häufig auf u.a. Anspannungen durch zu viel Stress zurückzuführen.

Selbst wenn wir glauben, dass wir entspannt sind, kann es sein, dass unser Nervensystem sich nicht entspannt anfühlt. Tatsächlich scannt es diese ganze Zeit unsere Umgebung ab: Sind wir hier sicher oder droht Gefahr?

Was passiert nun in deinem Körper, egal ob er einer echten oder einen fiktiven (weil erdachten) Bedrohung ausgesetzt ist?

Das autonome (vegetative) Nervensystem mit den beiden Nervenästen Sympathikus und Parasympathikus springt an – bei Stress der Sympathikus, bei Schock oder Schreck der hintere Ast des Parasympathikus (der hintere Vagus).

Wir sind ständig im Kampf- und Fluchtmodus

Ramona Wagener, Heilpraktikerin, Blog NervensystemJe länger und je häufiger wir Stress ausgesetzt sind, umso mehr befinden wir uns in einem Kampf- und Fluchtmodus. Unsere Vorfahren sind bei Bedrohung losgerannt oder haben sich verteidigt. Wenn die Gefahr gebannt war, konnten sie sich anschließend wieder in Sicherheit entspannen.

Dauerstress lässt uns aber nicht mehr entspannen. Du glaubst vielleicht, du bist entspannt, wenn du vorm Fernseher abhängst, doch in Wirklichkeit bist du erschöpft/erschlafft.

Im Kampf- oder Fluchzustand beginnen wir zu schwitzen und zu zittern, unser Herz schlägt schneller, die Atmung wird flacher, das Blut fließt von dern Organen, die für Ruhe und Verdauung zuständig sind, in die Muskulatur der Arme und Beine.

Stress ist übrigens nicht gleich Stress. Was für den einen als zu viel und anstrengend empfunden wird, ist für jemand anderen überhaupt keine Belastung. Wie wir auf eine Situation oder einen Umstand reagieren hat etwas mit der Einstellung zu den Dingen zu tun. Denkst du ständig nur negativ über deinen Chef, so wirst du viel leichter durch ihn in Stress geraten als der Kollege, der die Launen des Chefs mit Humor nimmt.

Wir können also sagen, dass es nicht die Ereignisse selbst sind, die Stress in uns auslösen, sondern unsere subjektive Wahrnehmung und Interpretation dieser Ereignisse. Und unsere Wahrnehmung ist von unseren individuellen inneren Programmen abhängig. Bist du ein eher ängstlicher Mensch, wirst du deinen Fokus hauptsächlich auf die Dinge lenken, die potenziell gefährlich und unsicher sind.

Sympathikus und Parasympathikus

Sympathikus und Parasympatikus sind die zwei großen Nervenbahnen unseres autonomen oder auch vegetativen Nervensystems. Sie sind dafür verantwortlich, dass ganz viele Funktionen in unserem Körper reibungslos funktionieren, ohne dass wir selbst darauf achten müssen. Sind beide ausgeglichen, können wir adäquat und schnell auf Veränderungen reagieren.

Bei den meisten Menschen sieht es jedoch anders aus:

Der Sympathikus ist ständig überreizt und der Parasympathikus wird dadurch in seiner Funktion ausgebremst. Um gesund zu sein und uns wohlzufühlen, brauchen wir beide: Der Parasympathikus ermöglicht es uns, zu entspannen, die Herz- und Atemfrequenz sinken, wir können tiefere und vollere Atemzüge machen, die Verdauung wird entspannt geregelt,wir haben Lust auf Sex …

Damit unser Körper optimal und gesund funktioniert, sollte wir ca. 80% der Zeit in einem Zustand sein, in dem der Parsympathikus aktiv ist! Und gleichzeitig ist es wichtig, dass wir blitzschnell in einen sympathischen Zustand wechseln können, wenn ein unmittelbarer Stressfaktor auftritt.

Gesundheitliche Probleme treten immer dann auf, wenn wir nicht mehr aus diesem Zustand in den parasympathischen Modus wechseln können. Um wirklich entspannen zu können und deinem Körper Erholung zu schenken, ist es daher wichtig, dich um deinen Parasympathikus (Vagus) zu kümmern und ihn zu aktivieren.

Menschen sind Herdentiere

Menschen-Verbindung-Ramona WagenerWie alle Säugetiere sind auch wir Menschen Herdentiere und brauchen die Geborgenheit und Sicherheit der Herde. Wir brauchen einen Ort, wo wir uns zeigen dürfen mit unseren ganzen Gefühlen und uns nicht hinter einer Maske verstecken müssen. Doch mal ehrlich hingeschaut: Wo ist in der modernen Welt Platz für unsere Herden? Hast du eine Herde, wo du dich wirklich so richtig sicher fühlst?

Wieviele von uns leben allein und führen ein Leben im Einzelkämpfermodus? Ist unser Schulsystem der Ort einer sicheren Herde? Strahlen unser Gesundheits- und die meisten Arbeitsysteme Geborgenheit aus?

Unsere Welt strahlt, wenn wir bewusst hinschauen, wenig Sicherheit aus. Doch genau das brauchen wir, wenn wir wieder zur Ruhe kommen und entspannen wollen. Deshalb ist es so wichtig, solche Orte zu haben und zu gestalten. Wir alle brauchen unser Rudel.

Tatsächlich ist es so, dass der vordere Vagusnerv, der Teil des Parasympathikus ist, der für soziale Verbindungen steht. Und ausgerechnet dieser Bereich ist heutzutage häufig unterversorgt.

Was kannst du tun?

  • Allerwichtigste Maßnahme: Tiefes Atmen – am besten 3 x tgl, ganz bewusst vor jeder Mahlzeit für 3-5 Minuten tiefe und gleichmäßige Atemzüge nehmen.
  • Singen, Summen, Brummen
  • kalt duschen – am besten am Ende 1 Minute mit richtig kaltem Wasser abbrausen, evtl. mit ein paar Sekunden beginnen und dann langsam steigern.
  • Musik hören
  • tanzen
  • Meditation und Achtsamkeitsübungen

sind Hilfsmittel, die einfach sind, Freude machen und deinem Vagusnerv gut tun.

Achtsamkeit hilft dir, dir deiner Gedanken bewusst zu werden. Wenn du erkennst, welche deiner Gedanken dich stressen, hast du einen wirksamen Hebel in deiner Hand. Du kannst lernen, diese Gedanken „nur“ als Gedanken anzusehen und so haben sie weniger Macht über dich. Hier kannst du auch deinen inneren Programmen auf die Schliche kommen und beginnen, sie in eine neue Richtung zu lenken.

Mit der Atmung haben wir ein geniales Werkzeug, um uns zu entspannen und uns wieder mit dem Körper zu verbinden. Wann immer du merkst, dass du zu sehr in deinem Kopf bist und dich in Endlos-Gedanken-Schleifen verlierst, lege deine Hände auf deinen Brustkorb und nimm ein paar ganz bewusste Atemzüge. Fühle die Bewegungen deines Körpers, die durch die Atmung entstehen. Fühle deinen Körper. Achte auf die Atmung, nimm wahr!

Nicht umsonst wird in der buddhistischen Tradition der Atem als Anker bezeichnet.

Ganz wichtig sind auch soziale Kontakte und Verbindungen mit Menschen, die dir gut tun. Also, such dir DIE Herde, die zur dir passt und wo du dich richtig willkommen fühlst!

Ramona Wagener, Frauenbegleitung

Ramona Wagener, Siegen, Oldenburg

Vom 12.-14. Juni biete ich eine Frauen-Auszeit in Much bei Köln an, in der ich gemeinsam mit 8-10 Frauen einen Raum für Verbindung eröffnen möchte. Vielleicht möchtest du dabei sein?

Deine Ramona

Ganzheitliche Frauenheilkunde und seelische Begleitung in Stress- und Krisenphasen

Workshop und Ausbildung „Heilräume durch Verbindung – Hüten und Heilen“