Die Sonnenwende und ihre Heilkräuter

Mit der Sommersonnenwende am 21. Juni erreicht die Sonne ihren höchsten Punkt und somit ihr volles Wachstum/Potenzial. So wie die Sonne ihre höchste Strahlkraft erreicht hat, zeigt nun auch die Natur ihr vollstes Potenzial und Wachstum.

Wir befinden uns nun am Höhepunkt der schöpferischen Entfaltung.
Schon immer waren die zwei Wendepunkte der Sonnenwanderung wichtige Tage im Jahreskreis und sie wurden dementsprechend gefeiert. Die Sonnenwende im Sommer kann also in ähnlicher Weise celebriert werden wie die Zeit der Wintersonnenwende. Mit ihr beginnen in der dunklen Zeit Jahreszeit die Rauhnächte. Eine Zeit also der Einkehr und der Innenschau. Und so dürfen wir auch die Tage rund um die Sommersonnenwende als eine Zeit für Rückschau und Rückzug gestalten.

Alles Leben spannt sich zwischen diesen beiden Polen der Sonnenwende auf. Licht und Dunkelheit sind die beiden Pole des Lebens und beide gehen Hand in Hand.

Das Zeichen des „YIN/YANG“ stellt in perfekter Weise den immer wiederkehrenden Zyklus des Lebens dar. Der höchste Punkt der Sonne/des Yangs ist am 21. Juni erreicht und in diesem vollen Yang ist auch schon der Beginn des Yin enthalten, erkennbar an dem schwarzen kleineren Kreis in der Mitte der weißen Hälfte. Von hier aus nimmt das Yang – die Sonnenkraft – nun wieder ab und das Yin entfaltet sich mehr und mehr bis es zum Zeit punkt der Wintersonnenwende seinen höchsten Punkt erreicht. Hier finden wir dann die längste Nacht des Jahres und somit den Höhepunkt der Dunkelheit, die wiederum gleichzeitig schon den Beginn des Lichts enthält.

Der Sommer steht in der Lehre der TCM für das Element Feuer. Im Sommer dominiert das Yang und so erreichen Licht, Wärme und Aktivität hier ihren Höhepunkt. Im Winter dominiert hingegen das Yin. Hier sind daher die Dunkelheit, Kühle und die Ruhe mehr Zuhause.  Und unser Leben findet stets zwischen diesen beiden Polen statt. Im Lauf eines jeden Tages wechseln sich Yin und Yang ständig ab.

Ähnlich wie im Symbol des „Yin und Yang“ finden wir auch im Jahresrad unserer Vorfahren Sommersonnenwende (21.6.) und Wintersonnenwende (21.12.) direkt gegenüberliegend.

Frauenheilpflanzen zu Johanni

Johannikräuter

Am 24. Juni, also ganz dicht verknüpft mit der Sommersonnenwende feiern wir Johanni, das Fest von Johannes dem Täufer. Der Zeitraum um den Johannitag ist wichtig, um bestimmte Kräuter zu ernten, denn dann enthalten sie die stärkste Heil- und Sonnenkraft.

Beifuß und seine WirkungBeifuß (Artemisia vulgaris)

Die griechische Mondgöttin Artemis stand als Namenspatin für diese große Heilpflanze. Zusammen mit ihrem Bruder Apollon hatte Artemis die Aufgabe, Licht in die Welt zu bringen. Ähnlich wie der Mond die Sonnenstrahlen widerspiegelt, holt der ihr geweihte Beifuß das Licht in die Sonnenwendnacht.

Der Beifuß ist wahrlich eine magische Pflanze. Er wurde und wird weltweit von Heilern und Schamanen zu Räucherungen zum Vertreiben von “Krankheitsgeistern” verwendet. In der chinesischen Medizin nutzt man Beifuß in der Moxaanwendung (getrocknetes Beifußkraut wird angezündet und damit werden bestimmte Akupunkturpunkte erwärmt).

Ebenso wie die Schafgarbe finden wir ihn an Wegesrändern und auf alten Bahnschienen und selbst auf Schutthalden. Dies zeigt die reinigende und somit entgiftende Wirkung des Beifuß.

Anwendung in der Frauenheilkunde

Man sagt ihm fruchtbarkeitssteigernde Wirkung zu, er fördert die Menstruation, und kann eine Geburt erleichtern. Bei Frauen, die nach längerer Pilleneinnahme ihre Blutung nicht mehr bekommen, kann Beifuß den Blutfluss wieder anregen. Darüber hinaus lindert er Krämpfe und wirkt sehr stark entgiftend.

Der Duft des Beifuß ist kräftig-würzig. Als Tee getrunken wirkt er wärmend auf den Unterbauch. Äußerlich verwende ich in meiner Praxis die wärmende Kraft des getrockneten Krauts in Form von Moxaanwendungen. Hier werden häufig bestimmte Akupunkturpunkte erwärmt, die den weiblichen Pol stärken und den Unterbauch erwärmen.

Einige frische Beifußblätter auf den Unterbauch gelegt, kann recht schnell bei krampfhaften Schmerzen während der Menstruation helfen.

Einige Menschen reagieren allergisch auf Beifuß. Deshalb unbedingt vorher testen!!!

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Hier finden wir den direkten Bezug zu Johanni, denn hier steht es meistens in voller Blüte. Seit Jahrtausenden gilt das Johanniskraut als eine der meistbeachtestenden Heilpflanzen. Die leuchtendgelbe Farbe seiner fünf Blütenblätter erinnern an ein Sonnenrad. Und genauso wie die Sonne bringt es Licht und Wärme, wenn an dunklen Tagen die Seele aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Wenn man die Blätter gegen das Licht hält, sind viele kleine rote Pünktchen in dem leuchtenden Gelb zu sehen. Das sind die Öldrüsen, die den roten Saft enthalten, in dem die Energie des Sonnenlichst gespeichert ist. Aus den Blüten lässt sich sehr leicht selbst Johanniskrautöl herstellen. Dazu sammelst du die Blüten und legst sie in ein gutes Olivenöl ein. Eine genaue Anleitung findest du vielfach im Netz.

Bei Gelenk- und Muskelschmerzen, sowie zur Wundheilung empfiehlt sich das Johanniskrautöl.

Gundelrebe

Die kleine, feine Gundelrebe (oder Gundermann) ist eine meiner liebsten Heilpflanzen. Sie blickt auf eine lange Tradition als Heil- und Nahrungspflanze zurück. Und neben ihren vielfältigen Anwendungen als Heilpflanze lohnt es sich auf jeden Fall die Gundelrebe als Gewürzkraut zu verwenden. Ihr aromatisch-würziger Geschmack verfeinert viele Speisen und so gehört sie für mich von Frühjahr bis zum Herbst als frisches Kraut in meine Küche. Sie gilt als blut- und lymphreinigend und kann das Schwermetall Blei ausleiten.

Deswegen finden wir ihren Einsatz auch in der Frauenheilkunde: Hier wird sie vor allem zur Gebärmutterreinigung verwendet. Wenn Frauen nicht schwanger werden oder nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden möchten, empfiehlt es sich vorher eine Nestreinigung mit Gundelrebe und ergänzenden Kräutern wie Frauenmantel, Schafgarbe, Stiefmütterchen und Strochschnabel zu machen. Eine Entgiftungs- bzw. Blutreinigungskur mit Gundelrebe ist auf jeden Fall jeder Frau oder Mann von Zeit zu Zeit zu empfehlen, da wir alle mit Schwermetallen belastet sind.

Ein Tee oder eine Tinktur aus Gundelrebenkraut kann auch bei eitrigen Entzündungen, wie z.B. Brustwarzenentzündung oder Akne verwendet werden. Der Volksmund nannte die Gundelrebe “Herr des Eiters“.

Schafgarbe und ihre WirkungSchafgarbe

Wir finden die Schafgarbe jetzt im Sommer sehr zahlreich auf Wildwiesen oder Wegrändern. Ihre geschwungenen, filigranen, zierlichen Blätter sind so zart gefiedert, dass es scheint als würde sie aus 1000 Einzelblättchen bestehen. So gab man ihr den Namen Tausendblatt = millefolium.

Die Schafgarbe zählt zu den Bodenheilern und trägt daher große regenerierende Kräfte in sich. Daher wächst sie vermehrt auf übersäuerten Wiesen und “reinigt” und regeneriert diese. Die Blüten der Schafgarbe sind weiß bis rosa und duften intensiv würzig. Die weißen Blüten entsprechen nach der Signaturenlehre dem Mond und zeigen uns die Verbindung der Pflanze zum Weiblichen.

Wenn du die Pflanze sammeln möchtest, kannst du das von Frühjahr bis Herbst tun.

Anwendung in der Frauenheilkunde

  • schmerzhafte Menstruation, Regelkrämpfe
  • zu starke Blutung (vor allem hellrote Blutungen)
  • bei Blasenschwäche, Blasenentzündung

Die große Kräuterkundige Maria Treben empfiehlt die Schafgarbe auch bei ausbleibender oder ungenügender Blutung (auch bei Mädchen in der Pubertät). Hier nimmt man am besten eine Mischung aus Schafgarbe und Frauenmantel, um die Blutung zu fördern.

Klingt seltsam, nicht wahr?

Einmal fördert die Schafgarbe die Blutung und dann kann sie Blutungen stillen bzw. regulieren. Das zeigt uns die vielfältigen Kräfte dieser wunderbaren Frauenheilpflanze. So steht sie unter anderem auch dafür, die polaren (scheinbar widersprüchlichen) Aspekte des Lebens zu erkennen und ihren gemeinsamen Kern zu sehen. Sie hilft uns somit, Entscheidungen leichter zu treffen und wirkt klärend auf den Geist.

Du kannst dir aus Schafgarbe einen Tee zubereiten. Hierzu verwendest du entweder das getrocknete Kraut oder natürlich auch einige frische Blätter.

Doch die Schafgarbe kann noch mehr:

Ein Frischpflanzenpressaft ist empfehlenswert zur “blutreinigenden” Frühjahrskur. Ähnlich wie sie Böden regeneriert, hilft sie uns Menschen Haut und Schleimhäute zu regenerieren. Und natürlich ist die Blutstillende (Achillea) ein gutes Wundmittel bei entzündlichen Haut-und Schleimhauterkrankungen.

Frauenmantel (Alchemilla)

Der Frauenmantel ist meine absolute Lieblingspflanze und ich habe sicherlich Hunderte von Frauen schon von seiner Wirkung überzeugen können. Ob zur Regulierung des Zyklus, während einer Schwangerschaft, zur Vorbereitung auf eine Schwangerschaft – es gibt viele Anwendungsmöglichkeiten, in denen die kleine Alchemistin uns Frauen ihre wertvollen Dienste erweist.

Der Frauenmantel gehört zur Familie der Rosengewächse und wird daher in der Signaturenlehre der Venus zugeordnet. Auch hier finden wir wieder den Bezug zum Weiblichen.

Die Heilpflanze wächst auf Wildwiesen und auch in vielen Vorgärten. (Achtung: die gezüchtete Form nicht verwenden!). Sie hat viele sehr fein gezähnte Blätter, die sich wie ein geschwungener Mantel ausbreiten. In der Mitte und manchmal auch an den feinen Zähnchen der Blätter findet man kleine glitzernde Tropfen. Dieses Wasser galt in alten Zeiten als magisch und man sagte ihm eine verjüngende Wirkung nach.

Anwendung in der Frauenheilkunde

  • zyklusregulierend
  • die Blutung regulierend
  • stärkt die 2. Zyklushälfte, ausgleichend bei leichtem Gelbkörperhormonmangel
  • unterstützend bei PMS
  • unterstützend bei Kinderwunsch
  • allgemein bei Drüsenschwäche
  • ausgleichend bei Stimmungsschwankungen
  • bei Bindegewebsschwäche, Senkung

Das sind nur die wichtigsten Anwendungsgebiete. M. Madejsky hat dem Frauenmantel ein ganzes Buch gewidmet,  in dem sie sehr ausführlich seine vielfältigen Wirkungen beschreibt. (“Alchemilla”, M. Madejsky)

Frauenmantel kann gut als Tee getrunken werden, denn er schmeckt sehr mild. Aufgrund seines großen Wirkungsspektrums ist er Bestandteil vieler Frauentees. Das getrocknete Kraut ist auch wunderbar für Sitzbäder geeignet und wirkt unterstützend bei Analfissuren, Entzündungen und Senkungsbeschwerden.

Neben seinen Wirkungen auf den weiblichen Körper stärkt er auch die Seele und hilft uns, uns besser abzugrenzen. Die Alchemistin hilft Frauen außerdem, sich mehr mit ihrem Körper anzufreunden, indem sie den weiblichen Pol stärkt. Sie hilft uns, körperliche, hormonelle und seelische Umbruchzeiten besser anzunehmen und zu verarbeiten.

Kamille

Die zart anmutende Kamille hat eine besonders entkrampfende Wirkung und schenkt uns so Stärkung und Entspannung für die Gebärmutter. Bei leichten krampfartigen Regelschmerzen kann ein Tee aus Blüten oder eine Kamillen-Urtinktur Linderung schenken.

Das ätherische Öl der Kamille, welches übrigens blau ist, enthält außerdem antibiotische Stoffe, die Bakterien und Pilze in ihrem Wachstum hemmen. Die Kamillenblüten oder das ätherische Öl können daher bei akuten Scheidenpilzinfektionen oder Ausfluss eingesetzt werden. Hier können wir sie zur Vaginalspülung oder als Sitz-Dampfbad verwenden.

In einer Mischung mit anderen Johanni-Frauenkräutern (Johanniskraut, Schafgarbe, Melisse und Frauenmantel) können wir sie als krampflösenden Tee trinken.